Babys an Beikost gewöhnen

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Mutter füttert Baby mit Brei

Gastbeitrag von unserer Studentin Andrea R.

Das Leben mit einem Baby wirft viele Fragen auf und gerade beim ersten Kind sind Eltern oft noch unsicher, aber möchten natürlich alles richtig machen. Die Ernährung und damit auch die Einführung der Beikost sind hier grosse Themen. Die Sorge, ob das eigene Baby ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt ist und sich optimal entwickelt, beschäftigt viele Eltern. Was darf ich meinem Kind geben? Wann sollte ich mit fester Nahrung beginnen? Wie erkenne ich überhaupt, dass mein Baby bereit ist für die Beikost?

Doch keine Sorge: Wenn Sie die Beikost achtsam und Schritt für Schritt einführen, machen Sie bereits ganz viel richtig. Sie als Eltern kennen Ihr Kind am besten und spüren, was es braucht, wenn Sie auf seine Signale achten und auf Ihr Gefühl vertrauen.

Beikost achtsam einführen

Es gibt das Sprichwort: „Food under one is just for fun“ – sinngemäss übersetzt bedeutet das: „Essen unter einem Jahr ist eher zum Spass“. Für die Babys geht es anfangs bei der Beikost viel mehr um ein Entdecken und Kennenlernen der Lebensmittel, als um die eigentliche Nährstoffversorgung. Muttermilch (oder Pre-Milch) bleibt lange das Hauptnahrungsmittel für die Kleinen und versorgt sie mit allem, was sie brauchen. Den Begriff «Beikost» kann man hier also ruhig wörtlich nehmen, denn es handelt sich anfangs tatsächlich um eine „Bei“-Kost.

Machen Sie sich frei von Mythen wie «das Baby schläft besser, wenn es genug Abendbrei bekommen hat» und gehen Sie das Thema achtsam und entspannt an. Sie werden merken, ob ihr Kind bereit ist für den Start oder noch etwas Zeit braucht. Jedes Kind ist anders und hat seinen eigenen Rhythmus. Abgesehen davon schlafen viele Babys nicht besser, wenn sie viel Abendbrei gegessen haben.

Doch wie erkenne ich, ob mein Baby bereit ist für die erste Beikost?

Beikostreifezeichen

Baby löffelt Brei

Es gibt sogenannte Beikostreifezeichen, die erfüllt sein sollten, bevor das Baby zum ersten Mal feste Nahrung bekommt.

Das Alter

Eine Orientierung kann das Alter des Kindes geben. In der Regel sollte mit der Beikosteinführung zwischen dem 4. und dem 7. Monat begonnen werden. Die WHO empfiehlt im Übrigen, das Baby sechs Monate lang voll zu stillen.

Interesse am Essen

Das Baby sollte ein deutliches Interesse an der Nahrung zeigen. Ein Beobachten der Eltern beim Essen ist nicht unbedingt ausreichend. Vielmehr sollte das Baby beispielsweise versuchen, nach dem Essen zu greifen.

Entwicklungsstand des Kindes

Damit zusammen hängt auch die Hand-Mund-Koordination, d. h. das Baby sollte in der Lage sein, die Hand zum Mund zu führen.

Auch das Köpfchen sollte das Baby selbstständig halten können, damit es auf keinen Fall zum Verschlucken kommt.

Gleiches gilt für das aufrechte Sitzen. Dies sollte das Baby alleine oder nur noch mit wenig Unterstützung beherrschen. Zu Beginn eignet es sich gut, das Baby beim Füttern auf dem Schoss zu haben. Um ein Verschlucken zu vermeiden, sollte sich das Baby beim Essen auf keinen Fall in einer liegenden Position (z. B. in einer Wippe) befinden.

Ein weiteres Reifezeichen ist das Verschwinden des sogenannten Zungenstossreflexes. Das Baby sollte also nicht mehr versuchen, Nahrung mit der Zunge wieder aus dem Mund zu schieben. Diese Fähigkeit geht übrigens oft einher mit der körperlichen Mobilität des Babys, indem es sich von dem Rücken auf den Bauch drehen kann.

Gute Laune
Zudem sollte das Baby munter und „gut gelaunt“ sein, weshalb häufig empfohlen wird, am Mittag mit der Beikosteinführung zu beginnen.

Breifrei oder Babybrei?

Pastinaken-Babybrei

Es gibt verschiedene Ansätze, wie mit der Beikost begonnen werden kann. Die klassische Methode ist der Babybrei, den das Baby gut schlucken und in angemessenen Mengen auch gut verdauen kann. Eine Alternative ist die breifreie Beikost, die aus speziellem Fingerfood wie beispielsweise gedünsteten Gemüse-Sticks besteht. Auch eine Mischung aus beiden Ansätzen ist möglich.

Erfahrungsgemäss nehmen die Kinder mit breifreier Beikost anfangs weniger Nahrung auf und sind somit länger auf die Muttermilch (oder Pre-Milch) als Nährstofflieferant angewiesen. Wer ein zügigeres Abstillen anstrebt, ist mit Babybrei daher wahrscheinlich besser beraten.

Fingerfood hat hingegen den Vorteil, dass die Kinder die Lebensmittel selbstbestimmt mit allen Sinnen erforschen können. Wichtig bei Fingerfood ist jedoch, dass dieser eine weiche Konsistenz hat und sich die Babys daran nicht verschlucken.

Was ist Baby-led weaning?

Vielleicht haben Sie in Zusammenhang mit der Einführung der Beikost schon einmal von «Baby-led weaning (BLW)» gehört. Oft wird dieser Ansatz in Zusammenhang mit einer breifreien Beikosteinführung genannt. Doch eigentlich geht es bei Baby-led weaning hauptsächlich um die Art wie die Beikost eingeführt wird. Denn übersetzt bedeutet Baby-led weaning «Babygeführte Entwöhnung».

Im Gegensatz zum klassischen Schritt-für-Schritt-Plan, bei welchem klar vorgegeben wird, wann welche Lebensmittel eingeführt werden, beruht die BLW-Methode darauf, dass das Baby steuert, wann und mit wieviel Beikost begonnen wird und wie lange es noch gestillt wird bzw. Formulanahrung bekommt.

Beide Arten der Beikosteinführung haben ihre Vor- und Nachteile. Der Schritt-für-Schritt-Plan hat den Vorteil, dass man eine klare Struktur erhält, an der man sich entlang hangeln kann. Als Vorteil der BLW-Methode wird häufig erwähnt, dass es weniger Aufwand bedeutet, wenn das Baby von Anfang an am Familientisch «mitisst». Am besten probieren Sie aus, welche Methode für Sie die passende ist, denn jedes Baby und auch jede Familie ist anders und hat ihre eigenen Bedürfnisse.

Wieviel Beikost isst das Baby?

Es ist sehr individuell wieviel Beikost ein Babys zu sich nimmt. Dass ein Baby jedoch von Anfang an eine ganze Portion Brei oder eine Teller Fingerfood isst, ist eher unrealistisch. Vielmehr sind es zu Beginn wenige Löffelchen Brei oder Gemüse-Sticks. Erst langsam steigert sich die Menge.

Um die Verdauung nicht zu überfordern eignet sich  für den ersten Brei oder auch für den Fingerfood sehr mildes Gemüse wie Pastinake, Kürbis oder auch Zucchini. Probieren Sie aus, was ihr Baby mag.

Wer mit Brei startet, sollte mit einem reinen Gemüsebrei beginnen.

Welche Bestandteile sollten im Brei enthalten sein?

Banane-Babybrei

Dem reinen Gemüsebrei wird zuerst etwas Kartoffel beigemischt sowie ein Löffel hochwertiges Öl. Eine gute Fettquelle ist für die Kleinen sehr wichtig, da Fette zum einen Geschmacksträger und Energielieferant sind. Zum anderen helfen sie der Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Ein hochwertiges, möglichst kaltgepresstes Rapsöl eignet sich aufgrund des Verhältnisses von Omega-3-Fettsäuren zu Omega-6-Fettsäuren gut.

Im nächsten Schritt wird dem Brei eine Protein- und eine Eisenquelle hinzugefügt. Das kann 2-3 mal pro Woche ein hochwertiges und mageres Biofleisch sein. Wer auf die Zugabe von Fleisch verzichten möchte, der kann dies problemlos über die Gabe von Getreide (z. B. Hafer oder Hirse) tun. Getreide ist ebenfalls eine hervorragende Protein- und Eisenquelle. Man sollte darauf achten, dass eine Eisenquelle mit Vitamin C kombiniert wird, damit eine gute Aufnahme des Eisens im Körper gewährleistet ist.

Neben Fleisch und Getreide sind auch Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen gute Proteinquellen. Aber Achtung: Nüsse und Samen sollten einem Baby oder Kleinkind niemals in ganzer Form angeboten werden. Es droht Verschluckungsgefahr! Geeignet sind Nussmuse (ohne Salz und Zucker) oder gemahlene Nüsse und Samen im Smoothie, Brei oder Müsli.

Auch Fisch kann (muss nicht) die Beikost 1-2 mal in der Woche ergänzen. Er kann ein guter Lieferant von wichtigen Omega-3-Fettsäuren sein (z. B. Lachs). Jedoch ist Fisch häufig sehr schadstoffbelastet. Daher ist auch hier wie beim Fleisch auf eine gute Qualität zu achten.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass das Baby eine abwechslungsreiche Nahrung und ein breites Angebot an gesunden und vollwertigen Lebensmitteln bekommt. Babys haben einen bestimmten Nährstoffbedarf, der unabhängig von der Ernährungsform erfüllt werden soll.

Buchempfehlungen zum Thema Babys und gesunde Beikost

Es gibt zahlreiche Bücher und Artikel, die das Thema «gesunde Beikost» weiter vertiefen. Für alle, die sich mehr damit beschäftigen möchten, haben wir hier eine kleine Auswahl an Empfehlungen zusammengestellt:

  • «Das große Buch von Babybrei & Beikost: Sicherer Einstieg mit Empfehlungen, Beikostplan und über 70 Rezepten für Babybrei, Fingerfood und Familiengerichte» von Natalie Stadelmann, 8. Januar 2019
  • «Mamas Baby, Paps maybe – Babybrei und Beikost & Baby led Weaning für Anfänger: Das große 2 in 1 Kochbuch für Babybrei und breifreie Beikost mit 250 einfachen Rezepten. Inkl. BLW Grundlagenbuch» von Victoria Maienfeld, 17. April 2021
  • «artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen» von Nicola Schmidt, 8. August 2021
  • «Das große GU Kochbuch für Babys & Kleinkinder: Von der Stillzeit bis zum Kleinkindalter» von Dagmar von Cramm, 8. August 2021
  • «Breifrei für Babys» von Lena Merz und Annina Schäflein, 4. Februar 2020
  • «Babybeikost – Vorkochen. Einfrieren. Entspannen. Gesunden Babybrei selbst machen. – Ideal vom 5. bis zum 12. Monat -Tolle Rezepte für den Beikost-Start, auch für unterwegs und für Reisen» von Josephine Bayer, Nina Bott und Jule Felice Frommelt, 20. April 2018

Gemüse-Babybrei-Rezept

Passend dazu stellen wir Ihnen ein Gemüse-Babybrei-Rezept vor. Es eignet sich für Babys ab sechs Monaten.

Europäisches Institut für Stillen und Laktation, 2013: Beikost für Säuglinge
https://www.stillen-institut.com/media/Beikost-Seiten-aus-HF-2013-04.pdf

WHO, 2021: Breastfeeding Recommendations
https://www.who.int/health-topics/breastfeeding#tab=tab_2
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